READ ALL TEXTS ABOUT THE ARTWORKS

denser experience mapping ~ roughly translated ATM,
denser experience mapping ~ roughly translated pebble tiles
wonders of nature & synthetic
great ideas/sophisticated ways of management

Konrad Hanke

Konrad Hankes Arbeiten drehen sich um die Idee des simulierten Raumes. Sie streben danach, virtuelle Umgebungen und deren Eigenschaften mit Vorstellungen vom materiellem Raum zu verbinden. Ausgehend von virtuellen Räumen, die den visuellen Eindruck haptischer Oberflächen vor allem durch Texturen vermitteln, formulieren die Arbeiten die Frage, was passiert, wenn dieser visuelle Raum in feste Objekte rückübersetzt wird und inwiefern dadurch eine tiefere Vorstellung von der Bildhaftigkeit räumlicher Inhalte entstehen kann. Für Informal City Park konzipierte Konrad vier Arbeiten, welche visuelle Elemente alltäglicher urbaner Bereiche mit dem Erscheinungsbild virtuellen Raumes verbinden.


Denser experience mapping & roughly translated ATM Denser experience mapping & roughly translated pebble tiles:
Geldautomaten und Waschbeton sind beide häufig auftauchende Teile städtischen Erscheinungsbildes. Beide versuchen dekorativ und praktisch zugleich zu sein. Die Arbeiten imitieren, das Texture Mapping eines Geldautomaten und des ihn umgebenden Bodens, wie es bei einer Anordnung von Flächen im zweidimensionalen Texturraum wahrscheinlich wäre. Indem K diesen technischen Bildern ein festes Material gibt, zeigt er die Idee eines virtuellen Raums und seiner ungenau in die materiellen Welt übersetzten Koordinaten. Damit vermittelt er das Gefühl eines zufälligen Stadtraums, frei nutzbar, nichtssagend, nett und gleichzeitig abweisend.


Wonders of nature & synthetic
Die Arbeit basiert auf einer heightmap eines Bodens, der dazu dient zu verhindern dass sich Obdachlose und andere unerwünschte/abweichende Menschen dort aufhalten. Die Form und die ursprüngliche Situation des Arreals hat Ähnlichkeiten mit Orten, an denen sich normalerweise Gärten befinden würden. In der Praxis, Gärten oder andere dekorative Elemente durch defensive Strukturen zu ersetzen, liegt die Idee, die Bildsprache von Städten zu kontrollieren. Wo der Garten die organischen, unberechenbaren Merkmale der Natur in eine kontrollierte Umgebung überführt, soll die defensive Architektur aus Beton die Unerwünschten Bereiche urbanen Lebens verhindern.


Great ideas & sophisticated ways of management:
Dieser Arbeit liegt ein direktes Zitat des Präsidenten der Disney Development Company, Peter Rummel zugrunde. Er spricht über einen der Eckpfeiler der "Unterhaltungsarchitektur", nämlich die Kontrolle über die Umgebung. Vollständig heißt es da: "a growing body of architecture that reflects an attitude more than a period or a discipline. The attitude is one of managing the unexpected in a sophisticated way"; und an anderer Stelle heißt es weiter "to the extent that we have really perfected the environment inside the park, we have tried to take that same attitude . . . and duplicate it outside the park.".
Die rote Farbe spielt auf den früher rot eingefärbten Belag in Disneys Unterhaltungsarchitektur an. Die Farbe sollte auf den analogen Fotografien der Besucher*Innen die umgebende Vegetation frischer und das Gesamtbild des Parks sauberer erscheinen lassen. Was sich sozusagen als ein Versuch der nachträglichen Kontrolle über die Erinnerungen eines Parkbesuches lesen lässt.

 

 

Place (n.)


Sanabel Badr El-Deen


("Our sense of the place is enhanced; our sense of ourselves as inhabitants not just of a geographical country but of the mind is cemented.”  )   
"Unser Gefühl für den Ort ist gestärkt; unser Gefühl für uns selbst als Bewohner nicht nur eines geografischen Landes, sondern des Geistes ist zementiert."     
                                                                      Seamus Heaney, Preoccupations

 

Orte haben die Fähigkeit, Schichten über Schichten von miteinander verwobenen sozialen und politischen Bedeutungen und Implikationen zu tragen, diese Schichten werden durch sich ständig verändernde Funktionen, Geschichten und Bewohner vermittelt.
Sanabel interessiert sich für die sich verändernden Funktionen von Orten und dafür, die Machtdynamik, die Politik und die Vorstellungskraft zu verfolgen, die in diese unerbittlichen Veränderungsprozesse involviert sind. Als Ausgangspunkt dienen Friedhöfe, die in Ägypten dafür bekannt sind, dass sie sich in Orte des regelmäßigen Aufenthalts und der Freizeitgestaltung verwandeln, aber auch immer wieder als Räume für religiöse Besinnung und die Erinnerung an den eigenen Platz im Leben und die Zeitlichkeit der menschlichen Situation genutzt werden.  
In diesen Szenarien gehen wir davon aus, dass Friedhöfe eigenständige Orte sind, denen eine eigene Identität innewohnt. Dieser Ort mit einer bestimmten Funktion verwandelt sich dann allmählich in eine vollständig funktionale Stadt, die Bewohner beherbergt und alle Funktionen, Gefühle und Beziehungen der Stadt übernimmt. Die Arbeit befasst sich mit urbanen Details und zeigt verschiedene Stadien auf, wie wir Orte umgestalten und umstrukturieren, um persönliche Räume zu schaffen, die unseren Bedürfnissen entsprechen, und wie sich diese Umgestaltung auf die Funktion und damit auf die Definition eines Ortes und sein eigentliches Wesen auswirkt.

 

Panoptic


Omar Abd El Baky

Durch eine zurückhaltende und transparente "Landkarte" mit erdigen Farben werden wir in eine Variation von organischen Strukturen eingeführt, die aus einander herauswachsen, sich aneinander anlehnen, isoliert, aber auch verbunden, scheinen diese Strukturen gleichzeitig zu versinken und auszubrechen.
Omars Arbeit bezieht sich auf seine eigene Nachbarschaft in Sayeda Zainab, Kairo. Er betrachtet und analysiert die komplexen und scheinbar zufälligen Anordnungen und Beziehungen, die das soziale Gefüge bilden.
Das visuelle Lesen der Karte soll helfen, Machtcluster zu identifizieren, angefangen bei den Straßencafés, einem 24\7 offenen Café-Raum, in dem sich die Nachbarschaft nach der Arbeit versammelt, um ihre Getränke zu sich zu nehmen, sich zu unterhalten und vielleicht Karten zu spielen. Diese primär der Freizeitgestaltung dienenden Räume sind an sich informelle Strukturen; sich nachts auf die Straße ausbreitend und tagsüber schrumpfend, haben sie eine organische Natur, ein echtes Produkt des Raums, der sie beherbergt.
Sie passen sich gleichzeitig an das sie umgebende Ökosystem an und formen es, und wie ihre Stammkunden sind sie in eine unerschütterliche Machthierarchie eingebettet, in der sie eine relativ privilegierte Position einnehmen.
Die Macht, die diese Strukturen innehaben, ist in erster Linie eine des Wissens, sie haben die Funktion, alles über jeden zu wissen, aber ihre Macht geht über das bloße Wissen hinaus, denn diese Entitäten besitzen - durch die Macht ihrer Stammkunden, der Ältesten - die Eigenschaft zu urteilen; diejenigen zu verleugnen, die anders sind. Deshalb ist Vorsicht geboten. Denn trotz ihres scheinbar warmen Äußeren sind sie in der Lage, eine Menge Schaden anzurichten, wenn sie eine Bedrohung wahrnehmen.
 

 

30°01’40.6”N31°12’39.2”E -Some place the bus drops me off
 

Rana Samir

Rana interessiert sich für den Prozess des Auswählens, Bewahrens und Sammelns und was diese Handlungen antreibt und motiviert. Sie untersucht was diese Praxis möglicherweise über uns offenbaren könnte. Sie nutzt ihre persönliche Sammlung, um Erinnerungen zu erforschen, Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart herzustellen und Kairo aus einer neuen Perspektive heraus zu betrachten.
Rana untersucht ihre persönliche Sammlung in Verbindung mit ihrer Stadt. Sie betrachtet die Stadt als einen größeren, erfahreneren Sammler, dessen Sammlung Menschen, Straßen und Einrichtungen umfasst, die jeweils ihre eigenen Bedeutungsschichten sowohl für die Stadt als auch für die Künstlerin enthalten und ein verschlungenes, sich ständig erweiterndes Netz bilden.
Das Kunstwerk ist eine Art Chronik; ein Austausch zwischen Rana und der Stadt Kairo, bei dem Sammlungen und Objekte ausgetauscht werden. Sie gestaltet diese "Zusammenarbeit" als schrittweise Bewegung und thematisiert die lange Zeitspanne, in der die Sammlungen unberührt blieben, sowohl die halb verlassene Sammlung der Stadt als auch ihre eigene Sammlung, die fast ein Jahr lang ohne viel Ergänzung dem Staub überlassen wurde. Die endgültige Arbeit ist wie eine Wiederbelebung, sie zeigt Schwerpunkte aus der persönlichen Sammlung und der der Stadt und spiegelt so eine gegenseitige Wechselwirkung wider. Sie zeigt öffentliche Grünflächen (einen botanischen Garten und einen Zoo), in denen eine Vielzahl von spielerischen Freizeitaktivitäten stattfinden, und stellt sie ihrer eigenen kostbaren Sammlung von alltäglichen Objekten gegenüber, die für Rana dieses Gefühl von Verspieltheit widerspiegeln.



Bäume und Steine


Grit Aulitzky

Grit Aulitzky hat ein eigenständiges plastisches Werk entwickelt, das von realen Gegenständen ausgeht, die sie in ihre eigene Bildwelt übersetzt.

Ihre Arbeit entspringt der angeborenen Freude an der Natur, dem ursprünglichen Raum des Menschen für Muße und Kontemplation, sie baut Bäume und Kieselsteine und transformiert sie in Größe und Form. Zusammen bilden sie eine Art Parallelspielplatz.

Amusement Categories


Gabriela Kobus

In ihrer Serie "Category Boards" beschäftigt sich Gabriela Kobus mit der Wahrnehmung gesellschaftlicher Oberflächenphänomene und der Frage, wie diese durch individuelle Erfahrungs- und Ordnungsmuster auf die Gesellschaft zurück wirken.  Sie entwickelt Anordnungen und Schautafeln, die eine Auswahl von Zuschreibungen zeigen, die sichtbar machen, dass jederzeit auch eine andere Auswahl möglich gewesen wäre und verweist damit auf den Umgang der systemtheoretischen Forschung der Soziologie mit der Komplexität gesellschaftlicher Strukturen.
In dieser Arbeit "Amusement Categories" werden die Umrisse von Fahrgeschäften beschrieben, vorgefunden in unterschiedlichen räumlichen Bezügen von großen Vergnügungsparks bis zu informellen Siedlungen. Gabriela Kobus thematisiert Fragen der Absurdität und  Pathos und stellt Überlegungen zur Vergleichbarkeit unterschiedlicher Lebenswirklichkeiten an. Sie ergänzt Recherchen und Fakten mit ihrem eigenen künstlerischen Input um einige Lücken zu füllen, während andere fehlende Informationen unbekannt bleiben. All diese Elemente interagieren auf humorvolle und manchmal zynische Weise, um uns Raum zu geben, über die Objekte, die Realitäten, die sie repräsentieren, und die komplexen Beziehungen, in die sie verstrickt sind, nachzudenken.
Komplex wird ein System dann, wenn es nicht mehr möglich ist, jedes Element jederzeit mit jedem anderen zu verknüpfen. So wird die Unterscheidung von Element und Relation in einem grösseren Umfang schnell unmöglich, da die reale Verknüpfungsfähigkeit von Elementen drastische Grenzen hat.
Somit sind Selektion und Reduktion von Komplexität notwendige Vorgehensweisen, die gleichzeitig Vereinfachungsmuster wie schwarz-weiss denken, Vorurteile und Diskriminierung implizieren.

In der systemtheoretischen Forschung der Soziologie wird von der Gesellschaft als polykontexturales System ausgegangen und damit eine Mehrheit von Beschreibungen ihrer Komplexität zugelassen.
Mit der Methodik des funktionalen Vergleichens wird die Vergleichbarkeit sehr verschiedener Sachverhalte gewährleistet. Aus der Perspektive der Systemtheorie wird nicht von einem Weltbegriff im Sinne einer bereits vorhandenen Welt von Dingen, Substanzen und Ideen ausgegangen, sondern von einem "unermeßlichen Potential" an Möglichkeiten, virtueller Information und unvorhersehbaren Ereignissen. Um daraus Information zu gewinnen, werden Systeme benötigt.

"Das erfordert selektives Kondensieren und zugleich konfirmierendes Generalisieren…" Niklas Luhmann.

Circles


Gabriela Kobus


Diese Arbeit entwickelte sich aus der Recherche zu Fahrgeschäften und Vergnügungsstätten. Gabriela interessiert sich für das Aufeinandertreffen dieser Objekte mit ihrer Umgebung, einer Umgebung, in die sie "hineingestellt" wurden. Bis zu einem gewissen Grad wirken diese Objekte immer fehl am Platz, zu groß, grell, bunt und kitschig, aus der Ferne können sie attraktiv und abstoßend zugleich wirken.
Schaut man sich verschiedene Vergnügungsparks auf der ganzen Welt genauer an, so stellt man fest, dass die Fahrgeschäfte zwar in ihrer Ästhetik oft ähnlich sind, es aber große und entscheidende Unterschiede und Varianten in Bezug auf die räumliche Anordnung gibt: ob sie temporär oder dauerhaft an eigens für sie geschaffenen Orten platziert werden, ob diese Fahrgeschäfte in kleineren oder größeren Arrangements aufgestellt sind oder ganz einzeln für sich stehen. All diese Bedingungen machen das Wesen der Fahrgeschäfte aus, bestimmen ihr Verhältnis zu ihrer Umgebung und schaffen unser mentales Bild von ihnen.
Mit der Arbeit "Circles" stellt Gabriela ein großes farbiges, von Fahrgeschäften inspiriertes Objekt in einen Raum für zeitgenössische Kunst. Betrachtet man diese Figur, scheint sie wie selbstverständlich ihren Platz zu haben.
 

BBQ Gathering


Layla Nabi

Layla Nabi behandelt in ihren Arbeiten unsere uns umgebende Räume und ihre Strukturen, welche mit unseren alltäglichen Handlungen verbunden sind. Die Arbeit ‚BBQ gathering’ fokussiert sich auf die Strukturen von Großstädten, welche von der Künstlerin als Transit Räume gesehen werden.
Der Stadtpark jedoch im Besonderen: Menschen kommen zusammen, bringen ihr Essen und Getränke mit, spielen zusammen, sitzen, trinken, grillen, während sie von Fremden umgeben sind. Scheinbar intime private Aktionen werden Seite an Seite mit Fremden geteilt, welche dazu gedacht waren im eigenen Garten zelebriert zu werden. Die Suche nach „Natur“ und Erholung wird im Stadtpark bis zu einem Punkt der Absurdität getrieben, da es keine „Natur“ ist die sie umgibt, sondern ein von menschlicher Hand gemachter und kontrollierter Park und selbst Erholung kann nur in einem gewissen Maß gefunden werden.
Durch seine grüne Fläche grenzt sich der Stadtpark vom umgebenden Raum ab.
Die Arbeit ‚BBQ gathering‘ greift diese Idee der Abgrenzung auf, indem die blaue Fläche sich ebenfalls vom restlichen Raum klar unterscheidet und eine Bühne schafft für Handlungen, welche automatisch von der Fläche zusammengehalten werden. Die darauf platzierten Objekte imitieren das menschliche Verhalten im Park, indem sie durch das Spiel von Nähe und Distanz Gruppierungen bilden, welche scheinbar zufällig angeordnet sind. Ähnlich wie im Park, in dem die Parkfläche von verschiedenen Gruppen in unterschiedlicher Anordnung besetzt ist.

 

Colorless Landscape


Heba Mohamed

Hebas Arbeit beschäftigt sich mit der Kommerzialisierung und Fetischisierung von Städten, der übermäßigen Vereinfachung, der Reduktion und der Verwässerung komplexer Erzählungen, Geschichten, Bilder und Erfahrungen zu leicht verdaulichen und vor allem vermarktungsfähigen Versionen, die die Städte vereinnahmen und die Stadt selbst in einen riesigen Park verwandeln. Die Stadt wird zu einem Ort, der ausschließlich der Freizeitgestaltung dient, zu einer bloßen Simulation des Lebens, die Entfremdung verstärkt, wo eigentlich Verbindung stattfinden sollte.
Das Video zeigt im Hintergrund eine Suche durch Kairo nach einer "farblosen Landschaft", einem Ort, der keine der üblichen Eigenschaften aufweist, die ein touristisches Bild von Ägypten normalerweise prägt, eine neutrale Landschaft, ein Ort ohne jegliche Signale. Die Landschaft wechselt in einer langsamen Schleife vom Tag zur Nacht, gepaart mit einer Stimme entsteht eine Diskrepanz, es ist unmöglich zu erkennen, was beschrieben oder versprochen wird. Man wird auf Distanz gehalten und bekommt nur eine Andeutung von Bewegung einer ziemlich gewöhnlichen Stadt zu sehen.
Bei näherer Betrachtung liegt die Arbeit zwischen Zynismus und Wunschdenken. Was als sarkastische Nachahmung eines traditionellen touristischen oder nationalistischen Sprachgebrauchs beginnt, verwandelt sich von Zeit zu Zeit in einen aufrichtigen Wunschmonolog, eine Ode an eine freundlichere Stadt, während die Szenerie zwischen düster und seltsam heiter schwankt und dabei tiefere Bedürfnisse anspricht.